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07.07.2026 – Bundesverband

LeitlinienIMPULS - Teil 5: Internationale Leitlinien

Internationale Leitlinien – ob interdisziplinär oder rein physiotherapeutisch – bieten einen wertvollen evidenzbasierten Orientierungsrahmen und wichtige Impulse für die physiotherapeutische Praxis. Einfach übertragbar sind sie allerdings nicht.

Was gibt es und wie sind internationale Leitlinien einzuordnen

Leitlinien (LL) gibt es weltweit. Sie können, wie in Deutschland, interdisziplinär angelegt sein oder auch rein physiotherapeutisch. Internationale physiotherapeutische Leitlinien – wie sie in Datenbanken wie PEDro zu finden sind – spiegeln oft einen hohen Forschungsstand wider und können wertvolle Impulse für den Praxisalltag geben. Dennoch müssen sie kritisch geprüft werden, da Studiendesigns, Versorgungssysteme oder Ressourcen im Herkunftsland von deutschen Bedingungen abweichen können. Eine fundierte Implementierung erfordert daher immer eine sorgfältige Übertragung auf unseren Kontext und unser Gesundheitssystem.

   

Einige Beispiele für internationale Leitlinien:

  • Leitlinien der Königlich-Niederländische Gesellschaft für Physiotherapie (KNGF)
    Es handelt sich um eigenständige physiotherapeutische Leitlinien. Diese setzen einen starken Fokus auf Clinical Reasoning, Funktionsorientierung und Outcome-Messung.
  • Leitlinien der American Physical Therapy Association (APTA)
    Leitlinien der APTA werden meist Clinical Practice Guidelines (CPGs) genannt. Man erkennt in den Texten häufig die Verknüpfung von Leitlinien mit dem Direktzugang und einer hohen Autonomie der Physiotherapie.
  • NICE-Leitlinien - (National Institute for Health and Care Excellence, UK)
    Bei den NICE-Leitlinien handelt es sich um Nationale Versorgungsleitlinien mit multiprofessionellem Ansatz. Physiotherapie ist häufig ein integraler Bestandteil. Sie haben einen starken Einfluss auf Versorgungspfade und Erstattung.

In einigen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) werden NICE-Leitlinien als Orientierung genutzt und es werden Bezüge hergestellt.

   

Weiteres internationales Beispiel

  

Sollten keine deutschen Leitlinien zu einem Thema vorliegen, können Informationen aus anderen Ländern einen Einblick in Themenfelder liefern.

Häufig wird die Frage diskutiert, ob es sinnvoll wäre, bestehende Leitlinien aus dem Ausland einfach ins Deutsche zu übersetzen. Befürworter führen an, dass es zeitsparend wäre, da diese etablierten Leitlinien bereits getestet sind, eine Kostenersparnis gegenüber der Erstellung eigener Leitlinien gegeben wäre und es fachlicher Anschluss and die Physiotherapie im Ausland und dortige Standards hergestellt werden könnte.

Dem gegenüber steht, dass Internationale Empfehlungen nicht immer zu die deutschen Versorgungsstrukturen passen. Es würde die Gefahr bestehen, dass Deutsche Versorgungspfade oder in Deutschland gesammelte Evidenz kaum berücksichtigt werden. Weiterhin wäre die reine Übersetzung nicht zuträglich für die Professionalisierung unseres Berufsstandes.

Fest steht aber, internationale Leitlinien sind hilfreich für einen Blick über den eigenen Tellerrand und sie können erste Einblicke in Themenfelder liefern.