4. Fachtag Long Covid in Schwerin

Den ersten Vortrag hielt Frau Prof. Dr. Scheibenbogen von der Charité zum Stand der Forschung und zur Umsetzung in die Therapie. Es gibt 200 Symptome, die einen hohen Grad der Behinderung zur Folge haben und auch zum Tod durch Multiorganversagen führen können. Die Suizidrate der Schwerstbetroffenen ist erschreckend hoch. Auch gibt es leider immer noch die psychische Stigmatisierung, vor allem der betroffenen Frauen, durch Behörden, Gutachter, BG, RV und Ärzte. Bundesweit wurde ein Netzwerk aufgebaut, die Informationen findet man auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums www.bmg-longcovid.de
Der zweite Vortrag von Sportkardiologe PD Dr. Lang von der TU München drehte sich um die Leistungsdiagnostik von moderat Erkrankten. Mittels Messung von Laktatwerten wird die Trainingsintensität festgelegt, die sehr kurz und fast ohne Belastung sein kann, um keinen Crash auszulösen, aber trotzdem eine geringe Leistungssteigerung zu erreichen. Bettina Grande vom Psychotherapienetzwerk ME/CFS betonte, wie wichtig es ist, Betroffene und pflegende Angehörige zu begleiten, nicht therapieren (Stigma!).
Im zweiten Teil der Veranstaltung stellten die Universitäten Greifswald und Rostock ihre Versorgung der Erkrankten vor. Es gibt regelmäßige Sprechstunden mit Diagnostik, Tests wie z.B. Handkraft, 6 min Gehtest, Therapieempfehlung, Sozialdienst und Telemedizin. Auch eine enge Zusammenarbeit mit Hausärzten wird angeboten. Rostock und Greifswald arbeiten eng zusammen. Die Therapiemöglichkeiten basieren auf symptomatischer Behandlung von z.B. Schmerz, Schlafstörungen. Pacing ist ganz wichtig, aber auch gesangbasiertes Atemtraining.
Dr. Zutz vom Hausärzteverband trug die Möglichkeiten der Hausärzte vor, die das System zuläßt. Vieles liegt an fehlender Finanzierung, Entscheidungen im GBA und fehlendem Wissen. Im Schlusswort fasste Frau Klingohr die Fortschritte in Forschung, Therapie und Versorgung der letzten Jahre zusammen. Es ist noch nicht alles optimal, aber in Mecklenburg-Vorpommern gibt es ein gut ausgebautes Netzwerk. Allerdings weiß noch keiner, wie es nach den nächsten Landtagswahlen weitergeht.
Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet, Interessierte finden hier das Video.

