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01.02.2019

Leitlinie Gonarthrose: Welche Therapiemaßnahmen eignen sich für die physiotherapeutische Behandlung?

Etwa 23% der Erwachsenen in Deutschland leiden im Laufe ihres Lebens unter einer Arthrose des Kniegelenks. Damit ist die Gonarthrose eine der häufigsten Diagnosen in der ambulanten Physiotherapie. Deshalb widmen wir unsere freitägliche Fachartikelserie im Februar dem Thema Gonarthrose und den dazugehörigen Befundungs- und Behandlungsoptionen.

Grundlage unserer Artikelserie bildet die S2k-Leitlinie Gonarthrose, die unter Mitwirkung von Eckhardt Böhle von PHYSIO-DEUTSCHLAND überarbeitet wurde. Sie finden die Leitlinie auch hier über unsere Website zum Download. Die Physiotherapie besitzt einen hohen Stellenwert in der Behandlung der Gonarthrose, denn der Patient soll gemäß der Leitlinie einen individuellen Versorgungsplan erhalten, der dessen Eigenverantwortung stärkt und konservative Therapien berücksichtigt.

Den höchsten Empfehlungsgrad für die Behandlung von Gonarthrose weisen gemäß der Leitlinie folgende Behandlungstechniken aus dem physiotherapeutischen Spektrum auf:

  • Ausdauer-, Kraft- und Beweglichkeitstraining
  • Aquatisches Training
  • Motivierende Beratung und edukative Maßnahmen

Die Literaturrecherche ergab, dass kombinierte Bewegungsprogramme, die Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit gleichermaßen beanspruchen, die besten Ergebnisse bei der Behandlung zeigen. Auch ein progressives propriozeptives Training konnte Schmerz signifikant reduzieren und die Gelenkfunktion verbessern. Es existieren zudem einzelne Arbeiten, die eine positive Wirkung von Übungen aus dem Tai Chi belegen. Kombinierte Programme bestehend aus Bewegungstherapie und edukativen Maßnahmen erzielten gute Ergebnisse, insbesondere in der Langzeitbeobachtung.

Ergänzend zur obigen Therapie können außerdem folgende Verfahren zum Einsatz kommen:

  • TENS-Ströme
  • Lasertherapie (Low-Laser) in Kombination mit Bewegungstherapie
  • Elektrophysikalische Therapien (Impulsschall, Mikrowelle, Kurzwelle, Interferenzstrom)
  • Stoßwellentherapie
  • Traktionsbehandlungen

Nicht empfohlen werden:

  • Training mit Vibrationsplatten
  • Elektrische Muskelstimulation (NMES) 
  • Magnetfeldtherapie
  • Infrarottherapie

Viele Patienten nutzen neben der Physiotherapie naturheilkundliche Salben zur Schmerzreduktion. Wissenschaftlich konnte für Beinwellextrakt-Gel eine klinisch relevante Wirkung bei der Schmerzreduzierung nachgewiesen werden, vorsichtige Hinweise existieren für Arnica. Andere phytotherapeutische Wirkstoffe sollten gemäß der Leitlinie nicht zur Einreibung verwendet werden.

In unserer angehängten Grafik finden Sie noch einmal alle Empfehlungen der Leitlinie in einer Übersicht zusammengefasst. Sie können die Grafik hier downloaden. Nächsten Freitag stellen wir Ihnen die wissenschaftlich orientierte Befundung der Gonarthrose vor.