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09.08.2019

Gynäkologische Tumore: Behandlungsempfehlungen des Endometriumkarzinoms

Im April 2018 wurde zuletzt eine S3-Leitlinie zum Endometriumkarzinom veröffentlicht. Für PHYSIO-DEUTSCHLAND waren Ulla Henscher und Reina Tholen als Mandatsträgerinnen beteiligt. Der physiotherapeutische Behandlungsteil bezieht sich vor allem auf die Therapie von Folgeerkrankungen, die durch Operation oder begleitende Chemo- bzw. Strahlentherapie entstanden sind.

Gemäß der Leitlinie werden folgende Behandlungen empfohlen:

  • Harninkontinenz:
    Im Rahmen des Endometriumkarzinoms kann es zu einer Harninkontinenz kommen, die mit einer Belastungsinkontinenz vergleichbar ist. Deshalb werden auf der Grundlage eines Expertenkonsenses vor allem Blasentraining, Beckenbodentraining und begleitende edukative Maßnahmen empfohlen. Studien belegen hierbei, dass ein geführtes Training dem Eigentraining bei Inkontinenz überlegen ist. Wird das Beckenbodentraining durch Elektrostimulation oder Biofeedback ergänzt, kann sich das verstärkend auswirken. Dies setzt aber eine entsprechende Diagnostik im Vorfeld voraus.

  • Stuhlinkontinenz:
    Bei Stuhlinkontinenz empfiehlt sich ebenfalls Beckenbodentraining, insbesondere ein Training der Afterschließmuskulatur. Biofeedback und Elektrostimulation konnten in Studien keinen verstärkenden Effekt bei der Stuhlinkontinenz zeigen.

  • Lymphödem:
    Die Entfernung von Lymphknoten im Bauchraum kann in einem Lymphödem der Beine resultieren. Zur Therapie wird eine Kombination aus Kompression, Hautpflege, manueller Lymphdrainage und Bewegungstherapie empfohlen. Als Therapiefrequenz empfiehlt die Leitlinie im aktuellen Stadium zweimal wöchentlich, anschließend einmal pro Woche zu therapieren. Der Kompression ist dabei besondere Aufmerksamkeit zu widmen, da diese eine bleibende Reduzierung des Ödems erreichen kann. Für Manuelle Lymphdrainage konnte in Studien keine Wirksamkeit für die Vorbeugung von Ödemen nachgewiesen werden. Die Bewegungstherapie dient vor allem der Verbesserung der Lebensqualität. Ergänzend erwähnt die Leitlinie außerdem den möglichen Einsatz von Kinesio-Tapes.

  • Fatigue-Syndrom:
    Während der Therapiephase entwickeln viele Patientinnen zusätzlich ein Fatigue-Syndrom. Es existieren bislang keine Studien, die die Behandlung des Fatigue-Syndroms nach Endometrium-Karzinom untersuchen, daher wird auf die Studienergebnisse bei Brustkrebspatientinnen zurückgegriffen. Nach Ergebnis der Studien sollten alle Patientinnen (von primärer Therapie bis hin zu Langzeitüberlebenden) regemäßiges Kraft- und Ausdauertraining oder eine Kombination aus beidem durchführen. Als Therapiefrequenz wurden 2-3 Sitzungen wöchentlich über 8-12 Wochen untersucht und empfohlen. Kognitive Interventionen konnten das Studienergebnis nicht beeinflussen. Es sollte aber fortwährend auf eine hohe Compliance der Patientinnen geachtet werden.